Market Access Klima Umfrage

Market Access Klima 2017: Geht es nachhaltig aufwärts?

Die DFGMA versteht sich unter anderem auch als Fachgesellschaft, die den Market Access (MA) im Gesundheitswesen in Deutschland beobachtet und begleitet. Um auszuwerten, wie die Lage des MA zu einem bestimmten Zeitpunkt bewertet und welche Entwicklung des MA erwartet wird, wurde ein kurzer Online-Fragebogen entwickelt, in dem in kompakter Form nach der Einschätzung der Lage und den Erwartungen an die Entwicklung des MA gefragt wird.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Umfrageergebnisse 2017 zur Beurteilung der Lage des MA und zu den Erwartungen der Entwicklung des MA (jeweils mit den Werten aus Dezember 2016 zum Vergleich):

Die Umfrageergebnisse zeigen für die Lage des Market Access im Jahr 2017 einen Aufwärtstrend: Knapp 30% der Teilnehmer beurteilten im November/Dezember 2017 die Lage als gut oder sehr gut. Für 30% ist die Lage weder gut noch schlecht, aber mit positivem Trend. Nur noch 4% beurteilen die Lage mit schlecht oder sehr schlecht. Dies spiegelt recht gut die Beuteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik wider. Allerdings ist der Anteil der Teilnehmer, die einen negativen Trend sehen, mit 36% noch relativ groß, dass heißt ca. zwei Drittel der Teilnehmer bewerten die Lage des MA mehr oder weniger „neutral“.

Ebenso wie die Lage haben sich auch die Erwartungen bezüglich der Entwicklung des Market Access im Jahr 2017 positiv entwickelt. Allerdings beurteilen die Teilnehmer wie in allen bisherigen Umfragen die Entwicklung des MA pessimistischer als die Lage: Nur 9% sehen eine gute bzw. sehr gute Entwicklung, ebenso viele eine schlechte bzw. sehr schlechte Entwicklung und 52% eine gleichbleibende Entwicklung mit negativer Tendenz voraus.

Die kumulierte Auswertung der offenen Antworten für die Problemfelder 2017 ergab folgendes Resultat:

Wie bereits 2015 und 2016 stehen auch 2017 Problemfelder der Kategorie Gesundheitspolitik/G-BA im Vordergrund. 48,1% der Nennungen befassen sich mit dieser Kategorie:

  • Mischpreisproblematik (10,4%)
  • Arzneimittelinformationssystem/Arzneimittelsteuerungssysteme (7,5%)
  • reine Kostenorientierung/Mehrfachregulierung (5,7%)
  • regionale Arzneimittelsteuerung (5,7%)

Die Liste verdeutlicht die Dominanz der Finanzierungsfragen; Fragen der Patientenzentrierung oder der Patientenversorgung werden nicht thematisiert. Das in 2017 neu aufgetauchte Problem der Mischpreise hat sich sofort an die Spitze gesetzt. Das ohnehin schon früher schwierige Problem der (fairen) Preisfindung wird so noch komplizierter.

Als zweithäufigste Kategorie werden Problemfelder bei der Nutzenbewertung (NB) genannt (31.1% aller Nennungen):

  • allgemeine/nicht weiter spezifizierte Probleme bei der NB/Dossiererstellung, Probleme NB bei  Medizinprodukten/chronischen Erkrankungen/Orphan Drugs (häufigste Einzelkategorie mit 11,3 % aller Nennungen)
  • Methodenanforderungen unrealistisch, unkoordiniert zwischen Zulassungs- und Erstattungsbehörden, mangelnde Nutzung vorhandener Evidenz (4,7%)
  • rigide/starre/formale/unflexible Vorgehensweise bei NB (3,8%)
  • Problem zVT (3,8%)

Allgemein werden gestiegene Anforderungen und Inkonsistenzen in der Bewertung zwischen IQWiG und G-BA festgestellt.

In der dritthäufigsten Kategorie werden Probleme rund um die GKV/Krankenkassen (10,4% aller Nennungen) genannt, wobei hier hauptsächlich die unausgewogene Position der GKV kritisiert wird.

In einigen Zusatzfragen beschäftigten wir uns in der Mai-Juni Umfrage mit dem geplanten Arzneimittelinformationssystem (AIS):

Bei der Frage nach den Chancen eines AIS nennen 48% der Befragten, dass es zu einer schnelleren Marktdurchdringung von Präparaten mit Zusatznutzen kommen könnte. Allerdings werden auch die Risiken eines AIS klar benannt: das AIS könnte falsche, verzerrte, verkürzte oder unvollständige Informationen enthalten, die Therapiefreiheit oder Therapieoptionen könnten eingeschränkt werden oder es könnte zur Verordnungskontrolle/-steuerung genutzt werden. Auf die Frage welche Informationen ein AIS enthalten sollte bzw. wie die Information gestaltet sein sollte ergab sich folgendes Bild:

  • Ausmaß/Sicherheit/Begründung des Zusatznutzens (77% der Befragten)
  • neutral/transparent/reine Information/objektiv/korrekt (46%)
  • Komparatoren/Vergleichstherapie(n) (46%)
  • Subpopulationen (41%)
  • möglichst kurz, kompakt, übersichtlich (36%)
  • Leitlinie/Verknüpfung mit Leitlinien (32%)

Obwohl diese Liste eine klare Präferenzsstruktur zeigt, äußern sich etliche Befragte skeptisch bezüglich der Realisationschancen eines AIS. Außerdem gibt es Stimmen, die darauf hinweisen, dass das AIS für die Verordnungssituation der Ärzte konzipiert werden sollte, d.h. insbesondere Ärzte sollten bestimmen, welche Informationen in welcher Darstellungsart für sie in der Verordnungssituation hilfreich wären.

Unser Dank gilt allen, die sich 2017 die Zeit genommen haben, um an der Umfrage zum Market Access Klima teilzunehmen. Die Umfrage wird auch 2018 im April/Mai und November/Dezember weitergeführt. Der Link dazu befindet sich auf der Homepage der DFGMA unter www.dfgma.de. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich auch 2018 wenige Minuten Zeit nehmen, um sich an der Umfrage zu beteiligen.

Dr. Maike Bestehorn,
maike.bestehorn@promedcon.biz
Tel: 08178/95495